Vestine

Der Hunger ist ihr täglicher Wegbegleiter
 

Trotz ihres Alters von 3,5 Jahren wiegt  Vestine immer noch nur 6 kg.
Ihre Arme und Beine sind spindeldürr, der Bauch aufgebläht, die Rippen stehen heraus und die pergamentene Haut am Gesäß ist dünn und
faltig. Apathisch liegt das in den Armen ihrer Mutter und ihre Augen schauen traurig und ernst aus dem greisenhaften Gesicht.
Die Haare sind spärlich, struppig und nicht mehr schwarz, wie bei gesunden afrikanischen Kindern, sondern graubräunlich verfärbt. 
Sie ist leicht schreckhaft und angstvoll, und wenn sie weint, klingt das mehr wie ein Wimmern als ein Schreien.

Als Schwester Anne, ein polnische Pallottinerin, die sich mit großer Liebe und Hingabe um Vestine kümmert, sie wiegt, sieht man erst,
das rechte Ausmaß ihrer fürchterlichen Unter- und Fehlernährung. 
Nur knapp 50% des alters üblichen Gewichtes hat N. und ist auch für ihr Alter deutlich zu klein geblieben. Ihr Körper ist ausgetrocknet, das Unterhautfettgewebe fehlt völlig. Verschiedenste Mineralien und Elemente fehlen ihrem durch Marasmus ausge-
mergelten Körper und ihre geistige und psychische Entwicklung ist ebenfalls stark verzögert.

Vestine ist eines der Kinder aus den Tal von Rutschuru, nördlich von Goma im Osten des Kongos im Dreiländereck zu Uganda und Ruanda 
gelegen. Eines von hunderten Kindern, die von den polnischen Pallottinerinnen in ihrem Ernährungszentrum Matumainini Murambi
mit Nahrung und Medikamenten versorgt werden.

Obwohl diese Gegend eigentlich landwirtschaftlich reich ist, hungern die Menschen, denn es herrscht seit 6 Jahren Krieg in dieser
Region. Bewaffnete Banden verschiedenster Herkunft, die Truppen Ugandas und Ruandas, versprengte Teile der ehemaligen Armeen von Habyamirana (Ruanda) und Mobutu(Zaire) habe die Menschen gezwungen, ihre Gehöfte zu verlassen, ihre Felder aufzugeben und sich in Siedlungen entlang der einzig befahrbaren Straße in dem Gebiet zurückzuziehen. Dort fühlen sie sich sicherer vor dem Morden und Plündern der
bewaffneten Banden. Doch wovon sollen sie leben?
Die Welt hat sie lange vergessen. Die Medien interessieren sich nicht für ihr Schicksal. So erhalten die Flüchtlinge auch keinerlei Unterstützung. und der Hunger ist ein täglicher Wegbegleiter. 
"All diese Menschen, die nun weit entfernt von ihren Feldern leben, erfahren keinerlei Unterstützung. Sie sind Opfer geworden von zahlreichen Krankheiten und ihre Kinder sind am meisten betroffen. Die Zahl der Kinder, die an Unterernährung leiden, ist gestiegen. 13% der Kinder zwischen 0 und 5 Jahren sterben an Unterernährung. Unser Ernährungs-
Zentrum, das eine Aufnahmekapazität von 21 Betten hat, wir durch die ständig wachsenden Anzahl unterernährter Menschen überrollt. Man
zahlt auch immer mehr Fülle von Unterernährung mit starker Blutarmut.
Der Durchschnitt an stationären Patienten beträgt rund 50 Fälle, der ambu- 
lant im Zentrum betreuten Kinder rund 100. Zusätzlich werden über 500 Kinder zu Hause betreut und versorgt." So schrieb unlängst Schwester Veronique ihren Freunden von WIR FÜR RUANDA, die dieses Projekt in der Vergangenheit schon verschiedentlich unterstützt haben. Im September dieses Jahres haben 8 Mitglieder der Reisegruppe, die einen Autotransport von Mombasa nach Ruanda begleitet hatten, 
das Ernährungszentrum besucht und sich von der großartigen Arbeit der Schwestern in Rutschuru überzeugen können. Stark belastend
waren für sie allerdings die Bilder von den halb verhungerten und unterernährten Kindern, die manchem aus der Gruppe noch tagelang nach-
gehangen haben. Für die letzten Wochen hatten die Schwestern noch Vorräte aus einer früheren Lieferung aus Heinsberg und aus einer Spende von UNICEF, doch inzwischen ist die Proteinnahrung aufgebraucht.Sr. Veronique bittet nun dringend den Verein WIR FÜR RUANDA
um eine neue Lieferung.
"Gerne werden wir wieder helfen, denn gerade bei den Schwestern wissen wir, wie gewissenhaft sie mit den Spenden aus Deutschland umgehen. Optimaler kann man ein solches Projekt nicht durchführen, wie diese Schwestern es tun!" mit diesen Worten kommentierte Dr. Bierbaum den Notruf aus Rutschuru.
"Hoffentlich bekommen wir genügend Spenden, damit wir bald einen Container
mit Proteinnahrung- und Medikamenten in den Ostkongo schicken können" fügt
Dr. Bierbaum etwas leiser hinzu.