Weihnachtsbrief 2011

Liebe Freunde,

auf meiner letzten Ruandareise winkte mir auf einem Parkplatz ein mir unbekannter Mann zu,
trat an das offene Autofenster und sagte einfach nur: “ Ich möchte mich bedanken! ”. Dann sah er wohl meinen etwas entgeisterten Blick und erklärte sich. “ Ich bin der Vater von Francis und ich muß Ihnen sagen: Seit der Junge bei Ihnen in der Schule ist, ist er wie umgewandelt. Früher konnte ich überhaupt nicht mit ihm reden; er schaute weg, verkroch sich und gab keine Antwort. Doch jetzt kommt er nachmittags fröhlich nach Hause und wir können sogar richtig miteinander sprechen. Ja, wir können sogar etwas zusammen unternehmen.”

Er ist nicht der Einzige. Auch von den anderen Eltern, deren Kinder bei uns im Zentrum aufgenommen wurden, wissen wir, wie radikal sich das Leben dieser Kinder zum Positiven verändert hat. Wie sie allein in dieser kurzen Zeit (seit Februar 2011) ein neues Lebensgefühl und ein für sie bis dahin ungekanntes Glück empfinden. “ Amizero Y’Ubizima” auf Deutsch “ Lebenshoffnung ” - der Name unseres Zentrums für Kinder mit geistiger Behinderung in Ruanda - gibt den Kindern und ihren Eltern tatsächlich Hoffnung auf ein neues Leben.

In den Schulen, die diese Kinder bisher besucht hatten - meistens nur für die kurze Zeit, wenn überhaupt - wurden sie gehänselt, ausgelacht und geschlagen. Die Lehrer setzten sie auf die letzte Bank, denn sie waren ja sowieso zu dumm, etwas zu lernen. Zu Hause waren sie das fünfte Rad am Wagen, nutzlose Esser, eine Schande für die Familie. Viele wurden versteckt und bekamen das zu essen, was die anderen übrig ließen.

Daher sind diese Kinder oft nicht nur geistig behindert, sondern auch körperlich krank.
Denn gerade für ihre Gesundheit wird man das wenige Geld, das man besitzt, nicht zum Arzt tragen.

In unserem Zentrum haben sie nun ein ganz anderes Leben. Hier sind sie umsorgt, versorgt - auch mit Essen. Hier stehen sie nicht am Rand, sondern im Mittelpunkt. Sie erfahren jetzt endlich die Liebe, die ihnen bisher keiner gegeben hat.

Deshalb lautet das Moto unseres Zentrumsleiters aus Zambia Peter Mpolokoso nach dreißigjähriger Berufserfahrung auf dem Gebiet der Heilpädagogik: “ Kinder mit einer geistigen Behinderung werden arst dann lächeln, wenn sie geliebt und angenommen werden, nicht nur von der eigenen Familie, sondern von uns allen.”

Gemeindenahe Rehabilitation (Community-based Rehabilitation) heißt der Fachbegriff. Des bedeutet: die Kinder in ihrem sozialen Umfeld, in ihren Familien, in ihren Gemeinden, in ihren Schulen lassen aun sie nicht isolieren. Sie nicht in große Heime stecken oder gar einsperren. Abgesehen davon, daß die Kinder dort ein menschenwürdiges Leben führen, ist das über Jahrzehnte auch gar nicht finanzierbar.

Unser Weg bedeutet: Die Kinder bekommen eine Grundrehabilitation im Zentrum. Zugleich aber geht es darum, die Familien, die Gemeinden und die Lehrer aufzuklären, damit die Kinder auch wirklich in ihren Dörfern integriert werden können. Dabei sollte Integration vor allem in den ländlich geprägten Gemeinden gar kein Problem sein. Denn Menschen mit geistiger Behinderung und/oder einer schweren Lernbeeinträchtigung - der Fachbegriff lautet: Kinder mit dem Förderbedarf ganzheitliche Entwicklung - können ohne Probleme auf dem Feld arbeiten, Wasser holen oder ähnlich einfache Tätigkeiten ausüben.

So einleuchtend dieses Konzept zu sein scheint, so schwierig ist es trotzdem, der Bevölkerung das klar zu machen. Viel Arbeit für Herrn Mpolokoso, der diese Aufgabe mit Bravour löst. Er geht in die Gemeinden, in Kirchen, organisiert Treffen, führt Einzelgespräche und hält  Vorträge

Von Mutter Teresa stammt der Satz: “ Lächeln erzeugt Lächeln, genauso wie Liebe Liebe erzeugt!” Helfen Sie uns, daß die geistig behinderten Kinder in Ruanda auch lächeln können und etwas von der Liebe empfangen, die jeder Mensch braucht, um leben zu können! Helfen Sie uns, daß wir unsere Arbeit nicht nur fortsetzen, sondern über den engen Rahmen des Ortes Kibilizi hinaus ausdehnen können.

Das ganze Zentrum wird nur durch Spenden finanziert. Allein für den Erhalt des Zentrums, die Ausbildung der Kinder und des pädagogischen Fachpersonals brauchen wir jährlich 40000€!
Wir müssen aber weitere Schulräume bauen und Wohnhäuser für die zweijährige Rehabilitation der Kinder, die zu weit weg wohnen., als daß sie täglich gebracht werden könnten. Wir haben so viele Anfragen, aber wir können nicht helfen.

Bitte helfen Sie uns! Jeder Euro ist wichtig!

Das Lächeln dieser Kinder wird es Ihnen lohnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.med. Bernd Bierbaum